Olesya – der Auswanderer-Profi auf dem Weg nach Westen


Olesya F.

In Sachen Auswandern bin ich ein Profi: ich habe bereits 2 Male in meinem Leben das Land gewechselt. Das erste Mal bin ich im Jahr 2002 als junges Mädchen nach Deutschland ausgewandert. 13 Jahre lang habe ich dort gelebt, studiert, gearbeitet, Freunde gemacht und die Sprache und die Kultur des Landes gelernt. Ich war ein gelungenes Beispiel einer erfolgreichen Integration. Und als ich endlich aufhörte, mein Heimatland die Ukraine zu vermissen und anfing, Deutschland mein Zuhause zu nennen, bereitete mir das Leben eine Überraschung vor. Ich erhielt eine Möglichkeit nach Spanien auszuwandern. Und dieses Geschenk des Lebens nahm ich dankend an.


Seit 6 Jahren lebe ich nun in Spanien, genauer gesagt in Gavá, einer Vorstadt von Barcelona und versuche al das zu tun, was ich damals als junges Mädchen in Deutschland getan habe: ich arbeite, lerne die Sprache und die Kultur des Landes, ich lerne Menschen kennen, mache Freundschaften und integriere mich. Wenn man mich fragt, woher ich komme, antworte ich mal „aus der Ukraine“, mal „aus Deutschland“. Natürlich komme ich ursprünglich aus der Ukraine, aber ich fühle mich oft halt auch Deutsch. Ich habe einen deutschen Pass, ich denke oft auf Deutsch, ich spreche Deutsch zuhause und schreibe einen Blog auf Deutsch, der „Gute Esser“ heißt. Als ich erst mit dem Blog anfing, wollte ich nur übers Essen schreiben, mittlerweile schreibe ich über mein Leben als Auswanderin, meine Lieblingsrestaurants oder über meinen Job als Online-Marketer. Als Deutscher Auswanderer hat man es viel leichter in Spanien als beispielsweise ein Ukrainer, ein Russe oder jemand aus Lateinamerika. Als Deutscher muss man sich keine Sorgen um eine Aufenthaltserlaubnis, Visum, Arbeitserlaubnis oder um die Homologation seines Abschlusses machen. Wenn man einen Spanier heiraten will, muss man niemandem beweisen, dass man nur der Papiere wegen heiratet und nicht aus Liebe. Ich kenne so einige Auswanderer aus der ehemaligen Soviet Union in Barcelona, die sich hier allerdings illegal befinden, kein Anrecht auf Arbeit haben und jahrelang auf Ihre Papiere warten müssen. Auch bei der Arbeitsuche haben die Deutschen es einfacher als andere: selbst im Customer Service, als Copywriter oder Social Media Manager wird man besser bezahlt als viele andere Auswanderer.


Aber natürlich haben auch viele Deutsche hier ihre Schwierigkeiten und Probleme: eine gute und günstige Wohnung zu finden, einen gutbezahlten Job zu ergattern, Freunde und Gleichgesinnte finden, Spanisch lernen und mit der anderen Mentalität klar kommen. Ich habe mal einen detaillierten Artikel übers Auswandern geschrieben „Auswandern nach Spanien: Pros & Contra,“, indem ich die Vorteile und Nachteile des Auswanderns schildere.


Ich hatte einen Riesenglück beim Auswandern: ich wurde von meinen Vorgesetzten gefragt, ob ich nicht als COO eine Filiale unserer Online-Marketing Agentur in Barcelona mitaufbauen möchte. Eine Herausforderung und eine ausgezeichnete Chance zugleich. In einem deutschen Unternehmen zu Arbeiten ist das Beste, was einem passieren kann: man kann im Job erstmal Deutsch anwenden und hat dennoch Zeit Spanisch zu lernen und die Mentalität der Spanier kennen zu lernen.


Ich habe mich in Spanien, in dessen Menschen, Küche, Natur, Sonne und Meer verliebt und jetzt, 6 Jahre später bin ich immer noch dort. Vor 2 Jahren haben mein Mann und ich eine Traum-Wohnung 10 Minuten Fußweg vom Strand gekauft und ziehen hier unsere kleine Tochter groß. Zwar mussten wir 50 Schrecks-Wohnungen besichtigen bevor wir das Richtige gefunden haben, aber am Ende haben wir es geschafft. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen und ich möchte die Menschen ermutigen, die erst überlegen, ob sie es wagen sollen, auszuwandern: tut es! Besser tun und bereuen als nicht tun und bereuen 😊

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